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BRH Rettungshundestaffel
Ludwigshafen-Mannheim e.V.

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Pressestimme: Die Rheinpfalz

Pressestimme: Die Rheinpfalz
"Futter- und Spieltrieb sind Schlüssel zum Geheimnis"

Staffel Ludwigshafen des Bundesverbands Rettungshundewesen trainiert zweimal wöchentlich - Viel Idealismus nötig


Wer verletzt ist und auf Rettung wartet, für den können Minuten zur Ewigkeit werden. Auch dann, wenn man sich eigentlich gar nicht in Not befindet. So wie die „Übungsopfer" der Staffel Ludwigshafen-Mannheim des Bundes­verbandes Rettungshundewesen (BRH).
Zweimal wöchentlich werden die 15 Rettungshunde der Staffel im Dudenhöfer Wald auf vermeintliche Vermisste wie Rainer Wolf angesetzt. Wolf ist Einsatzleiter der Staffel, doch im Training wird er auch schon mal zum „Opfer". Dann liegt der Mann aus Heidelberg irgendwo unter hohen Bäumen, in Kuhlen, hinter dicht verwachsenen Sträuchern. Meist auf einer Iso-Matte. An diesem Samstag nutzt die Isoliermatte nicht viel: Die Kälte kriecht überall hinein, wenn er minutenlang regungslos bei Minustemperaturen auf dem Boden kauert.
Suche nach Opfer mit System
Das Team, bestehend aus der 42-Jährigen Ausbildungsleiterin Doris Diessner und ihrem Hund Vico aus Ludwigshafen, durchkämmt das Gebiet auf der Suche nach Wolf mit System: immer im Zickzack-Kurs in einem bestimmten Quadrat. Gefunden wird Wolf fast immer. So auch heute: Irgendwann dringt endlich die Stimme von Doris Diessner zu ihm durch. Erst kann er ihre Worte, mit denen sie dem siebenjährigen Golden-Retriever befiehlt, nicht verstehen, nur den bestimmenden Tonfall. Dann weiß er, dass sie ganz nahe sind: „Such und Hilf", hört er, die Standardorder für alle Rettungshunde. Wolf weiß genau, was jetzt passiert. Den Ablauf der Suche hat er schon zigmal erlebt, als Übungsopfer, als Helfer im Einsatz und als Einsatzleiter der Staffel während einer Alarmierung. Ein Rascheln nähert sich, dann hört er schon Vicos Hecheln. Das karamellbraune Fell ist kaum zwischen den Büschen zu sehen. Knapp einen Meter vor ihm bleibt Vico stehen und beginnt sofort mit ohrenbetäubendem Gebell. Er hört erst auf, als Diessner neben ihm steht und „O.k." ruft. Das Übungsopfer ist gefunden; Vico hat gewonnen. Im Einsatz wird es genauso ablaufen. Doch der Ernstfall ist, gemessen am Training, statistisch ein seltenes Ereignis in Vicos Rettungshundeleben. Vergangenes Jahr wurde die Staffel dreimal alarmiert, nur bei einem Einsatz lag der Vermisste in dem der Staffel zugewiesenen Suchgebiet. Vico ist das egal. Ob Übung oder Ernstfall, für ihn ist es immer ein Spiel. Ein Spiel, dessen Ablauf ihm in zwei Jahren Ausbildung nur durch die Spiel-Futtertrieb-Methode beigebracht wurde und das er schon mehr als vier Jahre perfekt beherrscht.
In kleine Sequenzen aufgeteilt, lernen angehende Rettungshunde die Suche nur durch Belohnung. Lohn ist das Motiv des Hundes. Und der ist ganz banal: eine Wurst. Darum bekommen Übungsopfer wie Wolf das bevorzugte Leckerli - für Vico sind es klein­geschnittene Wiener - in Dosen verpackt zugesteckt, bevor sie sich verkriechen.
„Unmotivierter Hund macht Fehler"
Wird das Opfer gefunden und ertönt das „O.k." der Halterin, wird der „Preis" in Wurststückchen ausgezahlt. Im Unterschied zum Einsatz werden die Hunde im Training von den Opfern selbst belohnt und ausgiebig gelobt. „Darum sind für Vico Menschen, die im Wald liegen, so attraktiv", erklärt Diessner.
Doch nicht nur der Futtertrieb lässt Vico selbst in stachligem Brombeergebüsch nach Menschen suchen, zu denen er eigentlich keine Beziehung hat. Ein wesentlicher Teil seines ausgeprägten Sozialverhaltens wird vom Spieltrieb bestimmt. „Futter- und Spieltrieb sind der ganze Schlüssel zum Geheimnis", so Diessner. Ganz ohne Zwang, nur durch geschicktes Lenken der Motivation, kann der Halter die Nasenleistung seines Tieres trainieren und so Leben retten. Fast jeder Hund kann den menschlichen Duft auf bis zu 500 Metern Entfernung wahrnehmen.
Doch so simpel das klingt, die Umsetzung erfordert Geduld. „Eine Eigenschaft, die leider viele Hundehalter beim Training verlieren", sagt Doris Diessner und schließt sich mit ein. Auch sie war es, als sie 1998 begann, manchmal leid, immer dieselben Abschnitte wochenlang zu wiederholen. Der Grund: Nur etwa dreimal werden die Hunde pro Trainingstag für eine Übung aus dem Auto geholt und zum jeweiligen Trainingsfeld gebracht, öfters würden sie die Lust verlieren und „ein unmotivierter Hund macht Fehler". Auf dem fast einen Quadratkilometer großen Gelände trainieren die 28 Aktiven diesmal mit drei Ausbildern.
Ausbilderin Andrea Rädle empfängt heute Neulinge. Man hört diese schon von weitem. Ausgelassen begrüßt sie gerade den schwarzen Alano Ares. Mit seinen sieben Monaten ist der Hund von Ann-Kristin Lang im idealen Einstiegsalter. „Je älter ein Hund wird, desto mehr Unarten hat er sich schon angewöhnt", sagt Andrea Rädle.
Prüfung für Hunde alle zwei Jahre
Seine junge Halterin hat Zweifel, ob Ares überhaupt für die Staffel geeignet ist: Er bellt selten, schon gar nicht bellt er Personen an. Leider eine Grundvoraussetzung bei der Vermissten-Suche. Ares muss „Verbellen", wenn er die Person gefunden hat, nur so kann Lang den Hund wiederum schnellstmöglich finden. Andrea Rädle sitzt nun auf dem Waldboden, den schwarzen Lederknochen hinter ihrem Rücken versteckt. Ares lauert vor ihr, will endlich sein Spielzeug wiederhaben. Doch nichts passiert. Erst ein bettelndes Winseln und Fiepen hat Erfolg. Rädle wiederholt das Spiel, diesmal reicht ein Winseln nicht. Ares variiert Laute und hat bereits verstanden, dass ein Ton die Spielregel ist. Immer lauter wird sein Winseln, bis er bellt. Bingo! Rädle springt auf, wirft ihm den begehrten Knochen hin und lobt ihn. „Von wegen, der bellt nicht" ruft sie Ann-Kristin Lang zu, die verdutzt daneben steht.
Ares wird so jede Such-Sequenz lernen, mindestens die nächsten zwei Jahre, Woche für Woche. Dann wird er im Team mit seiner Halterin ein Übungsopfer wie Wolf vor den Augen eines Prüfers suchen: Bei der Eig­nungs-, Vor- und dann der Hauptprüfung, die alle Jahre wiederholt werden muss. Ausdauer wird die 22-Jährige aus Ludwigshafen brauchen, und viel Idealismus. „Das ist mehr als ein Hobby: Wir retten Menschenleben", macht Peter Hollenbach, Erster Vorsitzender der Staffel, klar. Eine lebenswichtige Hilfe, die seit den 70-ern vom Staat nicht mehr finanziell unterstützt wird. Neben der investierten Freizeit zahlen die Aktiven die Ausrüstung - bis zu 700 Euro - und die Kosten für den Hund aus eigener Tasche. Der Rest, wie Einsatzauto und Funkgeräte für die Staffel, finanziert sich durch Spenden. Und doch sind sie auch an diesem Samstag die Aktiven wieder fast vollzählig. Treffen sich in ihren roten Anzügen bei Minustemperaturen auf dem Übungsplatz und trainieren bis in die Dunkelheit hinein ihre Hunde für den Ernstfall. Ein Ernstfall, der für den Hund eigentlich ein Spiel ist.

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